Arkham Horror Remastered: Vault Series live auf Gamefound
Vor rund zwei Monaten kündigte Fantasy Flight Games mit Arkham Horror Remastered den Auftakt seiner neuen Vault Series an, damals nur mit einer Prelaunch-Seite ohne Preise und ohne Starttermin. Seit heute, dem 21. Oktober 2026, 19:00 Uhr UTC, ist die Kampagne auf Gamefound live, und sie startet furios: Innerhalb der ersten Stunden sprang das Projekt über sein Ziel von 300.000 US-Dollar und steht bei unserer letzten Prüfung vor Redaktionsschluss am Launch-Tag bei 831.706,28 US-Dollar, getragen von 2.183 Unterstützenden (277,24 Prozent des Ziels). Noch bis zum 5. November 2026, 1:00 Uhr UTC, kannst du dich beteiligen.
Welche Arkham-Horror-Edition kehrt zurück?
Wichtig zur Einordnung, weil der Name schnell für Verwirrung sorgt: Remastered ist die zweite Edition von Arkham Horror, die Fantasy Flight 2005 herausbrachte. Das ist ausdrücklich nicht die schlankere dritte Edition von 2018 und auch nicht das Kartenspiel Arkham Horror: Das Kartenspiel (LCG). Die Designgeschichte reicht weiter zurück: Das Grundspiel stammt von Richard Launius (1987 bei Chaosium), die 2005er Fassung entwickelten Launius und Kevin Wilson gemeinsam. Für das Remaster selbst führt BGG Dane Beltrami als Designer, eine eigene Illustrations- oder Art-Direction-Credit nennt die Kampagne bislang nicht.
Die Vault Series von Fantasy Flight
Arkham Horror Remastered ist die erste Kampagne der neuen Reihe Vault Series, mit der Fantasy Flight vergriffene Titel aus dem eigenen Backkatalog per Crowdfunding zurückholt. Betroffen sind laut Ankündigung Brettspiele, nicht die Kartenspiel-Linien des Verlags. Rechtlich läuft die Kampagne über Asmodee North America.
Was das Spiel tut
Im Kern bleibt Arkham Horror ein kooperatives Abenteuerspiel im Cthulhu-Mythos nach H. P. Lovecraft. Man schreibt das Jahr 1926, Schauplatz ist die fiktive Neuenglandstadt Arkham. Ein bis acht Ermittler versuchen gemeinsam, die Tore zu anderen Dimensionen zu schließen und die dadurch auftauchenden Monster zu bekämpfen, bevor einer der Großen Alten erwacht. Öffnen sich zu viele Tore, erwacht der Große Alte, und den Ermittlern bleibt nur noch ein letzter Kampf. Gespielt wird mit Würfelproben: Variable Charakterfähigkeiten, gesammelte Ausrüstung, Zauber und Verbündete verbessern die Chancen. Das ist klassisches Ameritrash-Design, thematisch dicht und mechanisch schwer, kein schlankes Kennerspiel. Wie sich dichter Mythos-Horror am Tisch anfühlt, zeigt auch unser Test zu Villen des Wahnsinns. Seit der Originalausgabe von 2005 hält sich in der Community außerdem ein bekannter Kritikpunkt, den auch die Community-Diskussion zum BGG-Eintrag stützt: Begegnungen, Käufe und Portal-Durchgänge laufen größtenteils einzeln pro Ermittler ab, echte Abstimmung untereinander bleibt selten, kooperativ ist das Spiel vor allem über das gemeinsame Ziel. Am Remaster ändert sich daran nichts, denn wie der nächste Abschnitt zeigt, bleiben die Regeln unverändert.
Zum Solo-Spiel: Die zweite Edition ist offiziell ab einem Spieler spielbar und rein kooperativ, dann steuerst du mehrere Ermittler selbst. Einen eigens für das Remaster kommunizierten, dedizierten Solo-Modus nennt die Kampagne weiterhin nicht, dabei bleibt es offenbar beim bekannten Mehrfigurenprinzip. Zur Downtime bei großen Runden äußert sich die Kampagne nicht konkret, bei sechs bis acht Ermittlern und dem beschriebenen Rules-Overhead ist aber realistisch mit spürbar mehr Wartezeit und eher mit der oberen Grenze der unten genannten 120 bis 240 Minuten oder mehr zu rechnen, gerade weil jeder Ermittler seine Phasen einzeln abwickelt.

Was am Remaster tatsächlich neu ist
Im August blieb offen, wie weit die angekündigten neuen Gameplay-Elemente tatsächlich gehen. Die Vorschau auf der Fantasy-Flight-Webseite beantwortet das jetzt konkreter, und ehrlich gesagt ernüchternd für alle, die auf ein überarbeitetes Regelwerk gehofft hatten: Die Zahlen und Grundregeln bleiben identisch zur Vorlage von 2005, verändert haben sich vor allem Sprache und Formatierung der Regeln sowie die Komponenten. Neu ist unter anderem ein „Upkeep-Symbol“ auf mehreren Spielmaterialien, das als visueller Hinweis dient, wenn in der Unterhaltsphase etwas ausgelöst wird, ob es dabei auf Farbe oder allein auf Form und Symbol setzt, sagt Fantasy Flight nicht. Zur altbekannten Farbcodierung der Tore, einem Merkmal des Spiels seit 2005, äußert sich die Vorschau ebenfalls nicht. Wer auf eine mechanisch überarbeitete Fassung gehofft hat, bekommt stattdessen ein sprachlich und optisch aufgeräumtes Original.
Eckdaten zu Arkham Horror Remastered
- Spielerzahl: 1 bis 8 (laut BGG, Bestwert bei 4)
- Spielzeit: 120 bis 240 Minuten (laut BGG)
- Alter: ab 14 Jahren
- Designer: Richard Launius und Kevin Wilson (zweite Edition, 2005), Dane Beltrami (Remaster, laut BGG)
- Verlag: Fantasy Flight Games, Asmodee North America
- Plattform: Gamefound, noch bis 5. November 2026, 1:00 Uhr UTC
- Kampagnenstand: 831.706,28 US-Dollar von 300.000 US-Dollar Ziel, 2.183 Unterstützende, 277,24 Prozent (Stand: 21.10.2026, Kampagnentag 1)
- Liefertermin: von der Kampagnenseite bislang nicht genannt
Drei Pledge-Stufen und ein Tages-Stretch-Goal
Die Kampagne bietet drei Haupt-Pledges: „Arkham Reborn“ für 70 US-Dollar deckt das Grundspiel inklusive aller bis zum Kampagnenende freigeschalteten Stretch Goals ab, das „Investigator Miniatures Set“ für 90 US-Dollar bringt über 60 zusätzliche Ermittler-Miniaturen separat vom Grundspiel, und das „Gameplay Bundle“ für 350 US-Dollar bündelt das Grundspiel mit allen fünf Erweiterungen (Dunwich, Innsmouth, Kingsport, Cosmic und Miskatonic Horror) für 20 US-Dollar weniger als beim Einzelkauf. Die fünf Erweiterungen und ein zweites Miniaturen-Set lassen sich auch einzeln als Add-on für je 60 beziehungsweise 90 US-Dollar dazubuchen. Für alle, die die alten Erweiterungen schon besitzen: Laut Fantasy Flight gilt für sie dasselbe Prinzip wie fürs Grundspiel, einzelne Namen und Gestaltungen können sich ändern, der komplette Spielinhalt bleibt aber erhalten, es handelt sich also nicht um reine unveränderte Nachdrucke.
Bei den Stretch Goals lohnt ein zweiter Blick auf die Art der Ziele: Von den sieben geldbasierten Zielen sind zwei reine Komponenten-Aufwertungen ohne Einfluss aufs Spielerlebnis (Monster Token Bag Upgrade, 5 Extra Dice). Die übrigen fünf sind exklusive Zusatzinhalte, die es ohne die Kampagne nicht gäbe: je eine Promo-Karte für die Großen Alten Yig und Hastur samt eigenem Ancient-One-Blatt, zwei exklusive Monster-Marker (Cruel Hunger, The Charred Man) sowie eine exklusive Verbündeten-Karte für Oliver Grayson. Für die Kaufentscheidung wichtig: Laut Kampagnenseite ist das separat buchbare „Investigator Miniatures Set“ von diesen Stretch Goals ausdrücklich ausgenommen, nur wer „Arkham Reborn“ oder das „Gameplay Bundle“ pledgt, bekommt die bis Kampagnenende freigeschalteten Extras automatisch dazu.
Beim Tempo der Kampagne wundert es nicht, dass es bei den Stretch Goals schnell vorangeht: Alle sechs ursprünglich angekündigten Geldziele sind inzwischen freigeschaltet, vom Monster Token Bag Upgrade bei 340.000 über The Charred Man (400.000), Promo Yig (460.000) und 5 Extra Dice (530.000) bis zu Cruel Hunger (620.000) und zuletzt der Promo-Karte für den Großen Alten Hastur bei 730.000 US-Dollar. Bei unserer letzten Prüfung ist bereits ein siebtes, bisher nicht angekündigtes Ziel aufgetaucht: eine exklusive Verbündeten-Karte für den Ermittler Oliver Grayson bei 850.000 US-Dollar, noch nicht erreicht. Einen Sonderfall bildet weiterhin das Stretch Goal „Daily Investigator“: Es ist nicht an einen Geldbetrag, sondern an die Kampagnentage selbst gekoppelt, offenbar soll mit fortschreitender Kampagnendauer ein zusätzlicher Ermittler dazukommen. Den genauen Mechanismus beschreibt die Kampagnenseite bislang nicht im Detail.
Was weiterhin offen ist
Eine deutschsprachige Ausgabe bestätigt die Kampagne weiterhin nicht: Pledges, Add-ons und alle Beschreibungstexte laufen bislang ausschließlich auf Englisch, eine Lokalisierungs-Option listet die Seite nicht. Die 2005er Fassung erschien damals unter anderem bei Heidelberger auf Deutsch, eine Zusage für dieses Remaster ist das aber nicht. Über den BGG-Eintrag hinaus hat Fantasy Flight bislang auch keine ausführlichere Design-Erläuterung zum Remaster veröffentlicht. Offen bleibt zudem, was ein Pledge aus den USA für Unterstützende in Deutschland am Ende tatsächlich kostet: Zu Versandkosten oder Einfuhrabgaben äußert sich die Kampagnenseite bislang nicht. Ebenfalls unklar ist, ob und wann das Remaster danach regulär im Handel landen könnte und was es dort kosten würde, dazu schweigt die Kampagne bislang ebenfalls.
Für wen das was ist
Für Mythos- und Ameritrash-Fans, die das Original schätzen oder nie im Regal hatten, ist das hier ein klarer Fall: Das Grundprinzip bleibt exakt das bewährte von 2005, inklusive seiner altbekannten Schwächen, nur eben aufgeräumt und mit modernen Komponenten. Wer dagegen auf ein mechanisch frisches Arkham Horror oder auf mehr echte Abstimmung am Tisch gehofft hat, greift besser zur strafferen dritten Edition oder zum thematisch verwandten Eldritch Horror. Dass die Kampagne am ersten Tag schon um mehr als das Zweieinhalbfache überfinanziert ist, zeigt vor allem, wie groß die Fanbasis für dieses Setting noch immer ist, nicht automatisch, wie gut das fertige Produkt wird.