SPIEL Essen 2026: Rekordzahlen und Deutscher Spiele Preis
230.000 erwartete Besucherinnen und Besucher, 997 Aussteller aus 53 Nationen, erstmals alle acht Hallen der Messe Essen bespielt: Der Merz Verlag hat die SPIEL Essen 2026 heute, am Mittwoch, auf seiner Pressekonferenz offiziell zur bisher größten Ausgabe der Messe erklärt. Wir waren mit Presseakkreditierung vor Ort und haben die Unterlagen direkt von der Bühne mitgebracht. Zur gleichen Pressekonferenz verkündete die Jury den Deutschen Spiele Preis 2026, und der Spieleverlage e.V. legte frische Zahlen zum deutschen Brettspielmarkt vor.
Besucherrekord und erstmals acht Hallen
Präsentiert wurde die Bilanz von Geschäftsführerin Carol Rapp und Kommunikationsdirektor Robin de Cleur. Die Kernzahl: Für 2026 rechnet der Merz Verlag mit 230.000 Besuchenden, ein Plus von 10.000 gegenüber dem Vorjahr (2025: 220.000). Stand Mittwochmorgen waren die Tickets für Donnerstag, Freitag und Samstag bereits komplett ausverkauft, der Sonntag war auf dem Weg dahin. Der Merz Verlag reiht das bereits in eine Serie von Rekordjahren ein: Es wäre die vierte SPIEL Essen in Folge, die als größte Ausgabe aller Zeiten gilt, gemessen an Fläche und Neuheiten.
Neu in diesem Jahr: Halle 8, bisher reine Wartehalle, wird erstmals regulär bespielt, damit sind alle acht Hallen der Messe Essen belegt. Insgesamt wächst die Ausstellungsfläche auf 81.200 Quadratmeter in acht Hallen plus Galeria, ein Plus von 4,8% gegenüber 2025, und ist komplett ausverkauft. Die Hallenstruktur bleibt nach Kategorien sortiert (Familienspiele, Kenner- und Expertenspiele, Miniaturen/Rollenspiele/Sammelkartenspiele), Trading Card Games bekommen in Halle 5 einen eigenen großen Bereich.
997 Aussteller aus 53 Nationen
Zur Messe kommen 997 Aussteller aus 53 Nationen von fünf Kontinenten, 2025 waren es 948 Aussteller aus 50 Nationen. Unter den Top-5-Ausstellerländern liegt Deutschland mit 285 Ausstellern weit vorn, gefolgt von den USA (102), Frankreich (54), China (47) und Polen (42). Neu vertreten sind in diesem Jahr Argentinien, Indonesien, Island, Kuwait und die Slowakei.

Diese Eckdaten, Besucherzahl, Ausstellerzahl und Flächenwachstum, decken sich mit dem, was am Mittwoch auch andere Medien von der Pressekonferenz berichteten, etwa die Brettspielbox.
1.885 Neuheiten: Popkultur und Cozy Games
Zur SPIEL Essen 2026 sind 1.885 Neuheiten gemeldet, ein Plus von 9,6% gegenüber dem Vorjahr. Auf der Neuheitenschau für Medien und Verlagsvertretung werden davon 1.023 Titel gezeigt, 11% mehr als 2025. Als Trends in den Neuerscheinungen nennt der Merz Verlag zum einen Popkultur, Lizenzen und bekannte IPs, von Batman über Minecraft und Dungeons & Dragons bis zu Fourth Wing und Cyberpunk: Edgerunners, zum anderen Natur, Ökologie und sogenannte Cozy Games.

Deutscher Spiele Preis 2026: die Platzierungen
Direkt im Anschluss an die Messezahlen verkündeten Carol Rapp und der neue SPIEL-Botschafter Peter Mohrbacher die finalen Platzierungen des Deutschen Spiele Preises 2026. Die alphabetische Top-10-Liste der Finalisten stand bereits seit dem 1. September fest, wie wir berichtet haben, die konkrete Rangfolge gab es jedoch erst heute auf der Pressekonferenz:

- Platz: Artengarten (Feuerland, Autor Mathias Wigge), ein Zoo-Aufbauspiel mit Tile-Placement
- Platz: Boss Fighters QR (Pegasus Spiele, Autoren Michael Palm und Lukas Zach), ein kooperativer Deckbuilder, bei dem eine App die Bosse per eingescanntem QR-Code dynamisch steuert, kein Gimmick, sondern der zentrale Mechanismus
- Platz: Galactic Cruise (PD-Verlag, Autoren T. K. King, Dennis Northcott und Koltin Thompson), ein komplexes Worker-Placement-Expertenspiel um Bau und Betrieb von Raumkreuzfahrtschiffen
Bestes Kinderspiel: Toriki: Eine Insel voller Abenteuer (Mirakulus, Autor Wojciech Grajkowski)
Für Feuerland und Autor Mathias Wigge ist es nach Arche Nova 2022 der zweite Sieg beim Deutschen Spiele Preis. Artengarten trägt im Untertitel „Ein Arche Nova-Spiel“ und übernimmt dessen Thema, den Bau eines modernen, wissenschaftlich geführten Zoos mit Artenschutz-Projekten, in vereinfachter Form und mit kürzerer Spielzeit: Arche Nova braucht 90 bis 150 Minuten, Artengarten kommt laut Feuerland mit 20 Minuten pro Person aus, in Fünferrunde also rund 100 Minuten, zu zweit nur 40.
Eckdaten zu Artengarten
- Spielerzahl: 1 bis 5
- Spielzeit: 20 Minuten pro Person
- Alter: ab 12 Jahren
- Designer: Mathias Wigge
- Verlag: Feuerland
- Preis: 49,90 Euro (UVP, Stand 21.10.2026)
Neue Programmpunkte: von Lasertag bis TCG Awards
Das Rahmenprogramm wächst mit der Messe. Neuer SPIEL-Botschafter ist der US-Illustrator Peter Mohrbacher, bekannt für seine Spielewelt Angelarium, das Botschafter-Programm läuft seit 2024 mit dem Metal-Musiker Alea von Saltatio Mortis als erstem Amtsträger. Der Bemalwettbewerb Golden Demon von Games Workshop bleibt mit der Verleihung des Slayer Sword am Sonntag und über 1.000 bewerteten Miniaturen fester Bestandteil, neu hinzu kommt im Saal Europa erstmals Lasertag von Games Workshop im Format 12 gegen 12.
Ebenfalls neu sind die TCG Awards, verliehen von CSL, Hana Entertainment und der SPIEL selbst, nach Angaben der Veranstalter der erste umfassende Branchenpreis für die TCG-Industrie, in neun Kategorien, drei davon juryprämiert, der Rest per Community-Voting plus ein Spieler-Leistungspreis. Asmodee veranstaltet am Donnerstagabend in der Grugahalle ein „Werwölfe von Düsterwald“-Event mit den Rocketbeans-Streamern live auf der Bühne. Dazu kommen die Stadtaktion „Essen spielt!“ mit Spieleabenden an besonderen Locations und Rabatten für Ticketinhaber, eine Kooperation mit dem Ruhr Museum für einen Spieletag zur Eiszeit-Sonderausstellung am 8. November auf Zeche Zollverein, und auf der organisatorischen Seite ein neuer B2B-Matchmaking-Bereich: Laut Merz Verlag wurde die SPIEL-App über 70.000 Mal heruntergeladen, das neue B2B-Tool hat bereits über 600 registrierte Nutzende.
Der deutsche Markt wächst schneller als der Rest der Branche
Im selben Termin legte der Spieleverlage e.V., Fachgruppe im Deutschen Verband der Spielwarenindustrie (DVSI), die Ergebnisse seines jährlichen Board Games INDEX (BGI) vor, einer Verlagsumfrage mit 49% Beteiligung, durchgeführt zwischen dem 28. September und 9. Oktober 2026. Die Kernzahl laut dieser Verbandsumfrage unter den eigenen Mitgliedern: Die Warengruppe Spiele und Puzzle wuchs in den ersten neun Monaten 2026 um 8%, während der Gesamt-Spielwarenmarkt nur um 3% zulegte. Innerhalb der Warengruppe sticht ein Segment besonders heraus, laut Marktforschungsinstitut Circana legten Strategic Trading Cards um 17% zu, während die Adult Games um mehr als 20% wuchsen, mitgetragen von einem Musik-Partyspiel. 69% der befragten Verlage halten die Zielgruppe der „Kidults“, erwachsene Spielerinnen und Spieler mit nostalgischem oder sammlerischem Interesse, für groß bis sehr groß bedeutsam für die Zukunft der Branche.
Zitate von der Pressekonferenz: Hutter und Stempfle
Hermann Hutter, Vorstandsvorsitzender des Spieleverlage e.V., ordnete die Zahlen beim Pressetermin selbst ein: „Mit der Pandemie vor 6 Jahren erlebte unsere Branche einen beispiellosen Hype, der in dieser Dynamik nicht weitergehen konnte. Die Entwicklung der letzten beiden Jahre zeigt aber, dass der Trend zu Spielen ungebrochen ist und dass es der Branche gelungen ist, neue Zielgruppen anzusprechen. Der Trend könnte stärker sein, wenn die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland besser wären und der Verbraucher am Ende des Tages mehr Geld im Portemonnaie für Freizeitaktivitäten hätte.“ Circana-Marktforscher Joachim Stempfle ergänzte: „Im bisherigen Jahresverlauf präsentiert sich die Kategorie Games & Puzzle als einer der Top-Umsatztreiber. Allein die Adult Games wuchsen in den ersten drei Quartalen, natürlich auch befeuert durch ein Musik-Partyspiel, um mehr als 20%, während die seit ein paar Jahren wachsenden Strategic Trading Cards ein Plus von 17% erzielen konnten.“
Bürokratie als Bremse, Fachhandel als Konstante
Als Belastungsfaktor nennen die Verlage vor allem Bürokratie, 94% sehen die bisherigen Reformen als unzureichend an, konkret genannt wird die seit dem 12. August 2026 geltende EU-Verpackungsverordnung (PPWR). Trotzdem investieren die Verlage weiter, in internationale Expansion (50%) und neue Spiele (44%), und 86% rechnen mit einem stabilen bis besseren Weihnachtsgeschäft. Der stationäre Fachhandel bleibt dabei zentral: 94% der Verlage nennen persönliche Beratung, 78% die Sichtbarkeit von Neuheiten als dessen wichtigste Funktion, und 78% der Verlage messen der SPIEL Essen selbst große bis sehr große Bedeutung für das Jahresendgeschäft bei.
Was wir davon halten
Eine Messe, die im vierten Jahr in Folge ihre eigenen Rekorde bricht, ist für sich genommen noch keine Geschichte, Wachstum gehört zur SPIEL-Essen-Dramaturgie der letzten Jahre. Spannender finden wir, dass der deutsche Brettspielmarkt laut Spieleverlage e.V. schneller wächst als der Spielwarenmarkt insgesamt, getragen von Trading Cards und erwachsenen Spielerinnen und Spielern, nicht von Kinderprodukten. Dass Hermann Hutter dabei offen die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland als Bremse benennt, nehmen wir als ehrlicheren Ton wahr als die reine Rekordmeldung. Für den Deutschen Spiele Preis gilt: Mit Artengarten gewinnt die vereinfachte, kürzere Variante von Arche Nova, wer die Zoo-Formel schon mag, aber den großen Bruder zu komplex fand, wird hier fündig.