Cult of the Lamb Brettspiel: Was der Kickstarter verrät
Cult of the Lamb: The Board Game verbindet kompetitive Kultführung mit Dungeon-Crawling und Worker Placement für 1 bis 4 Personen. Die Kickstarter-Kampagne zeigt inzwischen mehr vom Spielablauf, lässt aber bei Interaktion und Ausgaben noch wichtige Detailfragen offen.
Eine starke Lizenz kann den Blick auf ein Brettspiel lenken. Sie ersetzt jedoch keine verständliche Regelidee. Bei Cult of the Lamb ist deshalb weniger interessant, wie viele bekannte Figuren als Miniaturen in der Schachtel landen. Entscheidend ist, ob der Wechsel vom Bildschirm zum Spieltisch eine eigene, nachvollziehbare Erfahrung ergibt.
Paper Fort Games beschreibt zwei miteinander verzahnte Spielteile: eine leichte Dungeon-Crawl-Phase und eine Worker-Placement-Phase zum Ausbau des eigenen Kults. Damit ist mehr bekannt als nur ein mechanisches Schlagwort. Wie scharf diese Systeme ineinandergreifen, lässt sich ohne vollständige Regeln trotzdem noch nicht beurteilen.
Die bekannten Eckdaten
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Verlag und Kampagnenstarter | Paper Fort Games |
| Spielende | 1 bis 4 |
| Mechanik | kompetitives Dungeon-Crawling und Worker Placement |
| Solo-Modus | enthalten, mit dem Lamm gegen alle Bischöfe; weitere Ablaufdetails fehlen |
| Spielzeit | 120 bis 180 Minuten |
| Alter | ab 10 Jahren |
| Lead Designer | Daniel Alexander (II), James Faulkner, Chris Kingsnorth, Sean Lemon |
| Illustration | Anna Sęp, Raben White |
| Geplante Lieferung | Dezember 2027 |
Spielzeit, Mindestalter sowie Design- und Illustrations-Credits stammen laut BoardGameGeek von der Titelseite des Spiels (BGG-ID 474766). BGG ist eine redaktionell gepflegte Datenbankseite und nicht die Kampagne selbst: Der strukturierte Kickstarter-Export schweigt zu diesen Punkten weiterhin. Wir übernehmen die Werte deshalb mit BGG als Beleg und halten zugleich fest, dass die Kampagne sie im auslesbaren Export nicht selbst ausweist. Das ist ehrliche Quellenlage, kein Widerspruch. Hinter der Lizenz stehen mit Massive Monster und Devolver Digital die Rechteinhaber des Videospiels, während Brettspiel-Umsetzung und Kampagnenstart bei Paper Fort Games liegen. Eine belastbare Komplexitäts- oder Wertungszahl gibt BGG bislang nicht her, dafür ist die Datenbasis dort noch zu dünn.
Was macht man in einer Partie?
Eine Partie läuft laut Paper Fort Games über vier Runden. Jede Runde besteht aus einer Dungeon-Phase und einer Kultaufbau-Phase. Im Dungeon wählen die Spielenden verzweigte Wege, treten gegen Gegner und einen jeweils anderen Bischof an und lösen Kämpfe mit Würfeln. Waffen verändern dabei die Möglichkeiten im Kampf. Danach setzen die Spielenden ihre Gefolgsleute auf Aktionsfelder, bauen ihr Lager aus und entwickeln den eigenen Kult weiter.
Am Ende entscheidet eine Siegpunktwertung darüber, wer den stärksten Kult geführt hat. Das macht Cult of the Lamb zu einem kompetitiven Spiel und nicht zu einem gemeinsamen Kampf gegen die Bischöfe. Noch offen ist, wie stark sich die Kultführer während einer Partie unmittelbar beeinflussen. Die Konkurrenz um Aktionsfelder, das Wettrennen durch die Dungeons und die gemeinsame Siegpunktwertung sind Interaktionssignale. Die Verlagsbeschreibung auf BGG formuliert das offensiv: Spielende sollen um Aktionsfelder konkurrieren, ihre Rivalen stören ("disrupt your rivals") und "anticipate your opponents' intentions to gain the upper hand". Das bleibt eine zitierte Selbstbeschreibung und belegt weder häufige direkte Angriffe noch ein weitgehend paralleles Spiel. Eine belastbare Einordnung zwischen offenem Konflikt und indirektem Konkurrenzdruck braucht die vollständigen Regeln.
Der Solo-Modus verfolgt ein anderes Ziel: Paper Fort Games kündigt an, dass das Lamm allein gegen alle Bischöfe antritt. Ob dabei ein Automa, besondere Rundenziele oder weitere veränderte Regeln verwendet werden, erklärt die öffentlich prüfbare Vorschau nicht. Wer vor allem solo spielen möchte, sollte deshalb eine ausführlichere Modusbeschreibung abwarten.
Vier Pledge-Stufen, drei sehr unterschiedliche Kaufgründe
Die Kampagne läuft vom 21. Juli bis zum 14. August 2026. Am 21. Juli 2026 um 13:21 Uhr UTC standen 49.479 britische Pfund von angestrebten 18.950 Pfund zu Buche. 263 Menschen hatten das Projekt unterstützt. Das entsprach 261,1 Prozent des Finanzierungsziels. Diese Zahlen sind nur ein Momentbild, kein Qualitätsurteil.
Für 1 britisches Pfund bietet Follower Aktualisierungen, Zugang zum Pledge Manager und einen Desktop-Hintergrund. Ein physisches Spiel und damit spielerische Inhalte sind nicht enthalten.
Die Retail Edition kostet 60 britische Pfund. Ihr mechanischer Kern ist das Basisspiel. Hinzu kommen eine Startspielmünze, zusätzliche Köpfe für Gefolgsleute sowie freigeschaltete Stretch Goals und Kickstarter-exklusive Inhalte. Münze und Köpfe sind Komponenten- oder Sammlerzugaben. Welche Stretch Goals neue Regeln oder Spielsituationen liefern, weist der strukturierte Export nicht einzeln aus. Der Versand kommt hinzu, die Sprache wird später im Pledge Manager gewählt.
Die Deluxe Edition kostet 119 britische Pfund. Sicher erkennbar sind Komponenten- und Komfort-Upgrades: Premium-Material, Organizer sowie einfarbige Miniaturen für Gefolgsleute, Propheten und Bischof. Die Kampagne nennt außerdem weitere freigeschaltete Inhalte, trennt im strukturierten Export aber nicht belastbar zwischen zusätzlicher Mechanik und aufgewertetem Material. Ein gameplay-seitiger Mehrwert gegenüber Retail bleibt deshalb unbekannt.
Die All-In Deluxe Edition kostet 249 britische Pfund. Sie ergänzt Deluxe um mehrfarbige Propheten- und Bischof-Miniaturen, einen Schrein-Würfelturm, eine Spielplanmatte, Gegnerboards aus Neopren, Würfeltabletts, Acrylmarker, das Blessed Droppings Pack und eine Tragetasche. Erkennbar sind vor allem Präsentation, Komfort und Sammlerwert. Ob das Blessed Droppings Pack oder ein anderer Bestandteil eigene Regeln enthält, geht aus der vorliegenden Beschreibung nicht hervor. Ein zusätzlicher Mechanikblock darf daraus nicht abgeleitet werden.
Alle physischen Stufen nennen Dezember 2027 als Lieferziel. Versandkosten fallen zusätzlich an. Für Interessierte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist wichtig: Die Sprachwahl soll im Pledge Manager erfolgen, doch der auslesbare Export nennt keine konkrete Sprachenliste.
Stretch Goals: Spielinhalt und Material bleiben zu trennen
Die Pledge-Texte versprechen freigeschaltete Stretch Goals, führen die einzelnen Ziele im strukturierten Export aber nicht auf. Deshalb gibt es derzeit keine belastbare Liste mechanischer Erweiterungen. Neue Regeln, Gegnerfunktionen, Szenarien oder variable Spielfähigkeiten wären mechanische Inhalte. Miniaturenvarianten, Acrylmarker, Neopren, Würfelturm und Tragetasche sind dagegen Komponenten-, Komfort- oder Sammler-Upgrades.
Diese Trennung ist entscheidend: Mehr Material bedeutet nicht automatisch mehr Spiel. Solange Paper Fort Games die Stretch Goals nicht mit ihrem regeltechnischen Effekt ausweist, sollte der Aufpreis der höheren Stufen vor allem als Aufpreis für Ausstattung verstanden werden. Unbekannt bleibt, ob einzelne freigeschaltete Inhalte den Ablauf tatsächlich erweitern.
Mehr Regelbild, aber noch kein vollständiger Kaufkontext
Cult of the Lamb: The Board Game zeigt inzwischen einen erkennbaren Rhythmus. Viermal führen Wege durch Dungeons und Würfelkämpfe, danach wächst der eigene Kult über Worker Placement. Am Ende zählen Siegpunkte. Das ist eine brauchbare mechanische Grundlage und mehr als reine Lizenzdekoration.
Offen bleiben dennoch wichtige Fragen: Wie eng ist der Wettbewerb auf den Aktionsfeldern? Wie stark beeinflusst das Dungeon-Rennen die Mitspielenden? Welche Regeln trägt der Solo-Modus? Welche Pledge-Inhalte erweitern das Spiel wirklich, und welche mechanische Wirkung haben die Stretch Goals? Spielzeit, Altersangabe und die namentlichen Credits sind über BoardGameGeek inzwischen belegt; offen bleibt dagegen die Regeltiefe.
Der erfolgreiche Kampagnenstart zeigt Reichweite, nicht Qualität. Wer vor allem Sammlermaterial zur Videospiel-Lizenz sucht, findet klar abgestufte Angebote. Wer das Spielsystem beurteilen möchte, hat nun mehr Anhaltspunkte als zum Kampagnenstart, sollte vor einem teuren Pledge aber weiterhin auf vollständige Regeln und eine präzise Inhaltsmatrix warten.