Was sind Abenteuerspiele? Definition und Beispiele
Ein Abenteuerspiel ist ein Brettspiel, das die Spielenden auf eine erzählte Reise durch Entdeckung, Kampf und Entscheidungen schickt, meist getragen von einer fortlaufenden Geschichte statt von einem einzelnen Wettkampfziel. Charakterentwicklung, Erkundung und je nach Titel Kooperation oder Konkurrenz sind dabei die tragenden Bausteine.
Merkmale von Abenteuerspielen
Geschichte und Charakterentwicklung treiben die meisten Abenteuerspiele an: Eine fortlaufende Erzählung motiviert die Züge, während die gespielten Figuren über die Kampagne hinweg neue Fähigkeiten und Ausrüstung gewinnen. Diese Entwicklung unterscheidet Abenteuerspiele von klassischen Eurogames, bei denen jede Partie meist bei null beginnt.
Erkundung entsteht meist durch modulare Spielpläne, die sich erst im Spielverlauf aufdecken, sodass niemand vorab weiß, was hinter der nächsten Tür wartet. Ob die Runde dabei kooperativ gegen das Spiel selbst antritt oder ein Overlord-Part gegen die übrigen Spielenden steuert, unterscheidet sich von Titel zu Titel. Beide Varianten haben gemeinsam, dass einzelne Partien selten für sich stehen, sondern meist Teil einer größeren Kampagne mit mehreren Szenarien sind.
Bekannte Abenteuerspiele
Gloomhaven von Isaac Childres gilt als eines der komplexesten Beispiele des Genres: Eine bis vier Personen ab 14 Jahren kämpfen sich in 60 bis 120 Minuten pro Szenario als Söldnertruppe durch eine sich dauerhaft verändernde Kampagnenwelt, in der Entscheidungen über viele Partien hinweg Bestand haben. Karten werden dabei nach und nach dauerhaft aus dem eigenen Deck entfernt, was dem Spiel echte Legacy-Elemente verleiht. In Deutschland erscheint es bei Feuerland Spiele.
Descent: Journeys in the Dark schickt eine bis fünf Personen ab 14 Jahren in rund 120 Minuten pro Szenario gegeneinander: Eine Person steuert als Overlord die Monster, die übrigen kämpfen als Heldentrupp gegen sie, das Spiel unterstützt dabei auch offiziell einen Solo-Modus. Würfelreich hat den Titel bereits im Ameritrash-Glossar eingeordnet, das den direkten Konfrontations-Stil des Spiels genauer beleuchtet.
Mansions of Madness (Zweite Edition) führt für eine bis fünf Personen ab 14 Jahren per App durch 120 bis 180 Minuten lange Horror-Szenarien im Lovecraft-Universum und übernimmt damit Rätsel- und Gegnersteuerung, die sonst eine eigene Spielleitung bräuchte. Auch dieser Titel ist hierzulande über Heidelberger Spieleverlag erhältlich, und unabhängig von der Schachtel-Lokalisierung läuft auch die dafür nötige Begleit-App vollständig auf Deutsch, inklusive Vertonung und Untertiteln.
Ein genuin deutsches Beispiel ist Die Zwerge: Das kooperative Spiel von Michael Palm und Lukas Zach basiert auf Markus Heitz' gleichnamigem Fantasy-Roman und lässt zwei bis fünf Personen ab 10 Jahren in 60 bis 90 Minuten das Land Girdlegard gegen anrückende Orks und Albae verteidigen. Veröffentlicht wird es ausschließlich vom deutschen Verlag Pegasus Spiele, eine internationale Ausgabe bei einem anderen Verlag gibt es laut BGG-Eintrag nicht.
Von der mehrjährigen Gloomhaven-Kampagne bis zur einzelnen Die-Zwerge-Partie zeigt sich die Bandbreite des Genres vor allem in der Spielzeit: Manche Abenteuerspiele sind nach einer Sitzung beendet, andere begleiten eine Gruppe über Dutzende Sitzungen hinweg. Gemeinsam bleibt allen vier Beispielen, dass die Geschichte und nicht der reine Punktestand im Mittelpunkt steht.