Hell of a Deal: Kooperatives Poker gegen den Teufel

Cover von Hell of a Deal, kooperatives Poker-Kartenspiel von Smirk und Dagger Games

Poker ist ein Spiel gegeneinander. Genau das dreht „Hell of a Deal" um: Bei dem angekündigten Kartenspiel von Smirk & Dagger Games sitzen alle am selben Tisch, und der Gegner ist der Teufel. Aktuell steht der Titel auf Platz 5 der BGG-Hotness (Stand 14.08.2026). Grund genug, sich anzusehen, was das Spiel vorhat und was davon für deutsche Spielrunden interessant ist.

Alle gegen das Haus, und alle schummeln

Der Kern ist ein kooperatives Texas Hold'em. Sie treten gemeinsam gegen „den Teufel" und seine Bosse an, etwa Dedly Aloor, Jack Potts, The Brothers Dreadful und Roul-ette. Jeder Boss verdreht die Regeln der laufenden Hand auf seine Weise und gibt ein Mindestblatt vor, das Sie schlagen müssen. Und weil die Bosse betrügen, müssen Sie es auch.

Das schlägt sich direkt in der Mechanik nieder. Statt zwei erhält jeder drei Handkarten, eine davon steckt sinnbildlich „im Ärmel" und erweitert Ihre Optionen. Sogenannte Favor-Karten erlauben handfesten Betrug, etwa einen Flush aus vier statt fünf Karten. Der Preis dafür ist ein Fluch (Curse) oder Versuchung (Temptation). Ihre Chips bringen Ihnen „Souls", die Währung, die Sie am großen Tisch gegen den Teufel selbst brauchen. Fünf Power-Chips lassen sich alternativ für Soforteffekte einsetzen, zum Beispiel um eine Bosskarte aufzudecken. Sammelt die Gruppe zu viel Versuchung an, endet die Partie sofort mit einer Niederlage. Dieses Sudden-Death-Ende kann mitten in einer Hand eintreten und ist die eigentliche Spannungsschraube: Betrügen hilft, aber jeder Betrug bringt Sie näher an den gemeinsamen Verlust.

Als Motor unter der Haube nennt BoardGameGeek neben dem kooperativen Spiel ein Kommunikationslimit sowie klassisches Setzen und Bluffen. Verantwortlich für das Design ist Cameron Reid, die Illustrationen stammen von Leon Lim.

Eckdaten zu Hell of a Deal

  • Titel: Hell of a Deal
  • Verlag: Smirk & Dagger Games (USA)
  • Designer: Cameron Reid, Illustration: Leon Lim
  • Erscheinung: 2026 angekündigt, Retail-Auslieferung für den Herbst geplant, noch nicht erschienen
  • Spielerzahl: 2 bis 4, laut BGG-Community ideal zu viert
  • Spielzeit: 90 bis 120 Minuten (der Verlag bewirbt „eine ganze Pokernacht in 90 Minuten", BGG führt die Spanne bis 120)
  • Alter: ab 14
  • Kategorie: Kartenspiel
  • Mechaniken: Setzen & Bluffen, Kooperation, Kommunikationslimit, Sudden-Death-Ende
  • Komplexität: rund 2,75 von 5 laut BGG, also mittel, aber erst aus vier Bewertungen und damit nur eine grobe Tendenz

Einen Solo-Modus weist BoardGameGeek nicht aus. Das ist ein echter Mangel, nicht nur eine Leerstelle. Das Minimum liegt bei zwei Personen, die vereinzelte Ein-Personen-Angabe der Community hat null Stimmen. Ob ein Solo-Modus geplant ist, sagt der Verlag bislang nicht. Wer allein spielt, hat also aktuell keine belegte Option.

Warum Hell of a Deal gerade heiß ist

Platz 5 der BGG-Hotness klingt nach einem Gütesiegel, ist aber vor allem ein Aufmerksamkeitssignal. Das zeigen die Zahlen dahinter: Gut 1.000 Sammler haben den Titel auf der Wunschliste, aber erst rund 100 haben ihn bewertet. Es gibt also viel Vorfreude vor dem Release und noch kaum breite Spielerfahrung. Die Hotness misst hier Buzz, nicht Qualität. Ein sauberes Urteil erlaubt sie noch nicht.

Der Buzz hat eine handfeste Grundlage. Die Kickstarter-Kampagne lief vom 24. März bis 11. April 2026, sammelte rund 293.500 US-Dollar von 3.735 Unterstützern ein und übertraf das Ziel von 20.000 Dollar damit um mehr als das Vierzehnfache. Freigeschaltete Ziele wie zusätzliche Folien-Kartendecks und ein übergroßer Dealer-Button betreffen vor allem die Ausstattung, nicht das Regelwerk. Zur Retail-Ausstattung gehören laut Verlag 52 individuelle 11,5-Gramm-Pokerchips und sechs Neopren-Matten, die zusammen rund 71 mal 51 Zentimeter Tischfläche füllen und so echtes Casino-Gefühl erzeugen sollen.

Lohnt sich Hell of a Deal für deutsche Spieler?

Nüchtern betrachtet: Smirk & Dagger ist ein US-Verlag, die Kampagne ist gelaufen, die Auslieferung an Unterstützer und der Handel folgen im Original auf Englisch. Eine deutsche Ausgabe, ein deutscher Vertrieb, ein Preis oder ein Termin für den deutschen Handel sind bislang nicht angekündigt. Wer hierzulande zugreifen will, ist derzeit auf den Importweg über Händler oder eine spätere Nachverkaufsrunde verwiesen, ein regulärer deutscher Bezugsweg ist offen.

Interessant bleibt der Titel trotzdem, und zwar wegen der Idee. Kooperatives Poker, in dem gemeinsames Schummeln nicht nur erlaubt, sondern nötig ist, verschiebt den Reiz weg vom Pokerface hin zur Absprache am Tisch. Das passt zu Spielrunden, die Bluff und Interaktion mögen, aber das klassische Jeder-gegen-jeden satthaben. Ob das über eine ganze Partie trägt, muss die Praxis zeigen. Der Haken ist klar benannt: viel Vorschusslorbeer, wenig gespielte Realität. Ein Titel zum Vormerken, noch nicht zum abschließenden Urteil.

Quellen

Read more