Warum „Schadenfreude" plötzlich die BGG-Hotness anführt
Ein kleines Stichspiel von 2020 steht plötzlich auf Platz 1 der BGG-Hotness. Wir erklären, was dahintersteckt.
Wenn du dieser Tage auf die BGG-Hotness schaust, reibst du dir vielleicht die Augen: Ganz oben thront kein Tausend-Euro-Crowdfunding und keine glänzende Neuheit, sondern ein kleines Stichspiel von 2020 mit einem deutschen Wort auf der Schachtel. Schadenfreude führt die meistdiskutierte Liste des Hobbys an. Wir haben uns angesehen, warum ausgerechnet jetzt, und was dahintersteckt.
Ein Geheimtipp von 2020 auf Platz 1, wie geht das?
Vorweg die wichtigste Einordnung: Die Hotness ist keine Bestenliste. Sie misst, worüber gerade geredet wird, also frische Sammlungs-Eintragungen, Wunschlisten-Klicks und Seitenaufrufe. Genau hier liegt der Schlüssel. Im klassischen Board Game Rank steht Schadenfreude nämlich nur auf Platz 1824, bei gerade einmal rund 1.400 Bewertungen. Ein Dauerbrenner ist das Spiel also nicht. Was du auf Platz 1 siehst, ist ein plötzlicher Aktualitäts-Schub, kein über Jahre gewachsener Hype.
Der eigentliche Auslöser: Office Dog bringt den Kult-Hit in den Handel
Der Funke ist eine Ankündigung. Office Dog, das nordamerikanische Entwicklungsstudio von Asmodee, hat eine weltweite Handelsausgabe von Schadenfreude angekündigt. Erscheinen soll sie am 6. November 2026 zum Preis von 24,99 US-Dollar, mit überarbeiteter Grafik und neuer Illustration, aber ohne Regeländerungen. Vorgestellt wurde der Titel im Rahmen des Asmodee-Programms für 2026.
So eine Ankündigung mit festem Datum und Preis wirkt wie ein Startschuss: Alle, die das Spiel auf dem Schirm hatten, setzen es im selben Zeitfenster auf die Wunschliste. Dieser geballte Klick-Impuls ist exakt der Treibstoff, aus dem die Hotness gemacht ist. Dass rund um Schadenfreude fast nur 2026er- und 2027er-Neuheiten in der Liste stehen, macht es noch deutlicher: Hier wirkt ein Ankündigungs-Effekt.
Der Twist, über den alle reden
Eine Ankündigung allein zündet aber nur, wenn das Spiel etwas Erzählbares mitbringt. Und das tut Schadenfreude. Es ist ein Stichspiel, das die gewohnten Regeln auf den Kopf stellt:
- Den Stich gewinnt nicht die höchste, sondern die zweithöchste Karte der angespielten Farbe.
- Gewertet wird, wer am Ende möglichst nahe an 40 Punkten liegt, aber nicht darüber. Wer drüber rutscht, fällt heraus.
- Es gibt Karten mit Minuswerten, keine Trümpfe, und Farbzwang.
Dieses „Sei bloß nicht zu gut"-Prinzip lässt sich in einem Satz erklären und sorgt für genau die Diskussionen und Aha-Momente, die ein Spiel in der Szene viral machen. Der solide Bewertungsschnitt von 7,63 zeigt, dass hinter dem Gag auch echtes Spielgefühl steckt.
Aufgestaute Nachfrage trifft auf einen kleinen Preis
Dazu kommt: Schadenfreude war jahrelang nur als teurer Japan-Import zu bekommen, ursprünglich vom Doujin-Verlag Studio Turbine. Es gab also eine bekannte, leicht frustrierte Nachfrage von Leuten, die das Spiel wollten, aber nur schwer drankamen. Die Aussicht auf eine breit verfügbare, günstige Ausgabe löst diesen Stau auf einen Schlag. Bei nur rund 1.900 Besitzern stehen über 1.270 Wunschlisten-Einträge, das ist eine auffällig hohe Begehrlichkeit.
Und das Format hilft: drei bis fünf Mitspielende, 15 bis 20 Minuten, niedriges Gewicht von 1,76 von 5 und ein kleiner Preis. Ein günstiger, schneller Absacker verbreitet sich über Wunschlisten nun einmal leichter als ein schweres Brett, weil die Kaufentscheidung dich nichts kostet.
Was das für dich im DACH-Raum bedeutet
Für deutschsprachige Spielerinnen und Spieler ist der Titel ohnehin ein Hingucker, immerhin steht ein deutsches Wort auf der Schachtel. Es existiert bereits eine deutschsprachig betitelte Erweiterung, das Add-on Ritterorden, was auf vorhandenes Interesse im Markt hindeutet. Da Office Dog zum Asmodee-Verbund gehört, liegt eine deutsche Handelsausgabe nahe. Bestätigt mit Datum und Preis für den deutschen Markt ist sie bislang aber nicht. Wir behalten das im Auge und melden uns, sobald es konkrete Infos zur deutschen Ausgabe gibt.
Fazit
Schadenfreude ist ein schönes Beispiel dafür, dass die BGG-Hotness mehr über das Gesprächsthema des Tages verrät als über die ewige Bestenliste. Der Peak ist ein Ankündigungs-Effekt: Ein kultiger Import wird endlich für alle verfügbar, der Mechanik-Gag liefert den Erzählstoff, und der kleine Preis senkt die Hürde. Wenn du Stichspiele magst und auf Regeln stehst, die das Gewohnte verdrehen, lohnt sich ein Platz auf deiner eigenen Wunschliste, spätestens zum Handelsstart im November.
Quellen: BoardGameGeek, Office Dog Games, ICv2.