CMON übergibt „The Adventurers“ an Top Games

Cover von „The Adventurers: Collector's Edition“ von CMON

CMON übergibt dem langjährigen Fertigungspartner Top Games das Eigentum an „The Adventurers“, seinem seit Monaten verzögerten Vorbestellprojekt auf Gamefound. Das meldet BoardGameWire. Im Gegenzug übernimmt Top Games die verbleibenden Produktions- und Versandkosten, CMON bleibt laut gemeinsamer Erklärung weiter unterstützend an Bord. Die Spiele sind nach Angaben beider Unternehmen bereits produziert, im Werk verpackt und versandbereit. Für die deutschen Unterstützerinnen und Unterstützer der im März 2025 gestarteten Kampagne ist das der konkreteste Schritt seit Monaten in Richtung Auslieferung, wann die Pakete tatsächlich ankommen, sagen CMON und Top Games nicht.

Was der Deal für die wartenden Unterstützer bedeutet

CMON hatte die Gamefound-Vorbestellung im März 2025 gestartet: neue Auflagen der beiden Reihenklassiker plus den neuen dritten Teil „The Adventurers: Tomb of the Pirate Queen“, ursprünglich für Dezember 2025 angekündigt. Schon einen Monat später kündigte CMON Entlassungen und einen Stopp neuer Kampagnen an, aus Sorge vor den damals unberechenbaren US-Einfuhrzöllen. Die Lieferung von „The Adventurers“ blieb seither offen, zusammen mit acht weiteren Crowdfunding-Kampagnen, die laut CMON mehr als 14 Millionen Dollar an Unterstützerverpflichtungen ausmachen, darunter „DC Super Heroes United“ und „DCeased“, sowie drei weiteren Vorbestellungen, zu deren Wert die Quelle keine Zahl nennt. Einen Liefertermin für die deutschen Unterstützer haben CMON und Top Games nicht genannt, und ob die Übergabe auch Stretch-Goal-Erweiterungen und Add-ons der Kampagne umfasst oder nur das Grundspiel, sagen beide Unternehmen ebenfalls nicht. Dass ausgerechnet „The Adventurers“ jetzt den Weg zu den Kundinnen und Kunden findet, ist für alle übrigen Wartenden immerhin ein Signal, dass CMON Lösungen für den Rückstau findet, wenn auch nicht aus eigener Kraft.

Die Spielereihe hinter The Adventurers

Die Reihe stammt von den Autoren Guillaume Blossier und Frédéric Henry und begann 2009 mit „The Adventurers: The Temple of Chac“ bei AEG und Dust Games, 2011 folgte „The Adventurers: The Pyramid of Horus“ bei Dust Games und Fantasy Flight Games. CMON belebte beide Titel für die Gamefound-Kampagne neu und ergänzte sie um den dritten Teil, die Sammelausgabe führt laut BGG alle drei über ein gemeinsames Kernsystem für Abenteurer und Ausrüstung zusammen. Top Games selbst ist dabei kein Neuling im CMON-Kosmos: Der Fertigungspartner arbeitet seit 2009 in der Tabletop-Fertigung, seit 2018 mit eigener Kunststofffabrik in Dongguan, und war laut BoardGameWire schon an mehr als einem Dutzend CMON-Spielen beteiligt, etwa an „Cthulhu: Death May Die“, „Massive Darkness 2: Hellscape“ und „Zombicide: Undead or Alive“. Seit wann genau die Zusammenarbeit mit CMON selbst läuft, nennt die Quelle nicht.

Ein Jahr der Restrukturierung

Der Tausch ist das jüngste Kapitel einer Sanierung, die wir seit Januar 2026 begleiten. Für 2024 und 2025 weist CMON zusammen fast 23 Millionen Dollar Verlust aus, der Umsatz brach von zuletzt über 37 Millionen auf 9,9 Millionen Dollar ein. Die Belegschaft wurde halbiert, neue Kampagnen blieben gestoppt. Im Sommer warnte CMON vor einem „anhaltenden strukturellen Abschwung“ und suchte frisches Kapital von außenstehenden Investoren, Anfang September wurde das bekannt, Ende des Monats stand die Kapitalerhöhung über rund 19 Millionen Dollar. Etwa 40 Prozent davon sind laut CMON für laufende Kosten wie Personal, Lizenzgebühren und Versand im kommenden Jahr reserviert, also genau für Fälle wie „The Adventurers“. Dass der Verlag trotzdem einen Fertigungspartner mit Eigentum entlohnt, statt die Auslieferung komplett selbst zu stemmen, zeigt, wie knapp der Spielraum auch nach der frischen Kapitalspritze bleibt.

Was wir davon halten

Für die wartenden Vorbestellerinnen und Vorbesteller zählt am Ende nur, dass die Pakete verschickt werden, und ein Schritt in diese Richtung ist das hier erkennbar. Uns fällt trotzdem auf, dass CMON dafür ein Stück Eigentum abgeben musste: Frisches Kapital allein hat offenbar nicht gereicht, um den Rückstau aus eigener Kraft aufzulösen. Und solange kein Lieferfenster genannt wird, bleibt „versandbereit“ bei CMON vor allem eines: eine Momentaufnahme, keine Zusage. Ob sich das Muster bei den übrigen offenen Projekten wiederholt, dürfte sich erst im nächsten Quartalsbericht zeigen.

Quellen

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