Was sind Strategiespiele? Brettspiel-Arten und Beispiele

Symbolgrafik zu Strategiespielen: Gebietskarte mit farbigen Kontrollregionen, Kontrollfahnen, Schachturm-Silhouette und eine gepunktete Planungslinie auf hellem Hintergrund

Ein Strategiespiel ist ein Brett- oder Kartenspiel, bei dem der Spielausgang überwiegend von durchdachten Entscheidungen abhängt statt vom Zufall. Die Spielenden verwalten Ressourcen, planen mehrere Züge im Voraus und passen ihre Strategie an die Züge der Mitspielenden oder an sich ändernde Spielbedingungen an.

Rundenbasiert und Echtzeit

Rundenbasiert ist im Brettspielbereich der Normalfall, nicht die Ausnahme: Fast jedes klassische Strategiespiel lässt die Spielenden nacheinander statt gleichzeitig handeln. Twilight Struggle von Ananda Gupta und Jason Matthews zeigt das exemplarisch: Zwei Spielende simulieren darin über 120 bis 180 Minuten abwechselnd den Kalten Krieg zwischen den USA und der Sowjetunion. Jede Handkarte lässt sich wahlweise als historisches Ereignis oder für reine Aktionspunkte einsetzen.

Echtzeit-Strategiespiele sind im Brettspielbereich dagegen die Ausnahme, weil die meisten Mechanismen auf abwechselndes Handeln ausgelegt sind. Escape: The Curse of the Temple vom deutschen Verlag Queen Games gehört zu den wenigen echten Vertretern: Eine bis fünf Personen würfeln darin rund zehn Minuten lang gleichzeitig gegen eine Zeitvorgabe, während im Hintergrund ein Soundtrack den Countdown bis zum Tempeleinsturz mitzählt. Auch Galaxy Trucker von Vlaada Chvátil nutzt eine Echtzeit-Phase: Beim Bau des eigenen Raumschiffs greifen alle Spielenden gleichzeitig nach Bauteilen, bevor die Zeit abläuft.

Taktisch und Wirtschaft

Taktische Strategiespiele rücken statt der großen Linie einzelne Einheiten in den Vordergrund. Memoir '44 von Richard Borg lässt zwei bis vier Spielende in 30 bis 45 Minuten Infanterie, Panzer und Artillerie auf einem Hexfeld-Schlachtfeld über Kommandokarten einsetzen, wobei jede Einheitenart eigene Stärken und Reichweiten hat. In Deutschland vertreibt unter anderem Spielworxx den Titel.

Wirtschaftsstrategiespiele stellen Ressourcenaufbau und Handelsnetze in den Mittelpunkt, ein Kernthema vieler Eurogames. Die Macher von Karl-Heinz Schmiel, erschienen beim deutschen Verlag Hans im Glück, ist dafür ein deutscher Klassiker: Drei bis fünf Spielende führen darin über rund vier Stunden fiktive Parteien durch sieben Regionalwahlen im westdeutschen Mehrparteiensystem der Nachkriegszeit und müssen Wahlkampfbudget, Parteiprogramm und Medienpräsenz austarieren.

International bekannter ist Brass: Birmingham, aktuell auf Platz eins der BGG-Gesamtrangliste und in 60 bis 120 Minuten für zwei bis vier Personen gespielt. Gavan Brown, einer der drei Mitautoren von Brass: Birmingham, hat bei Roxley Games mit Brass: Pittsburgh inzwischen eine dritte Stadt der Serie auf Gamefound gebracht, aufbauend auf dem ursprünglichen Brass-System von Martin Wallace.

Warum Strategiespiele so fesselnd sind

Der Reiz liegt in der mentalen Herausforderung: Strategiespiele verlangen, komplexe Probleme zu durchdenken und mehrere Züge vorauszuplanen, was viele Spielende als befriedigend empfinden. Dazu kommt die Vielfalt an Herangehensweisen, denn je nach Spiel und Vorliebe führen militärische, wirtschaftliche oder diplomatische Wege zum Ziel. Wie hoch die Einstiegshürde dabei ausfällt, unterscheidet sich stark: Auf BGG liegt Escape mit einem Komplexitätswert von 1,5 von 5 nah am Familienspiel, während Die Macher mit 4,3 von 5 zu den anspruchsvollsten Titeln der Datenbank zählt.

Wie stark langfristige Planung den Ausgang einer Partie prägt, hängt von der gewählten Kategorie ab: Bei einem rundenbasierten Duell wie Twilight Struggle entscheidet oft die Kartenreihenfolge über mehrere Züge hinweg, während ein Echtzeit-Titel wie Escape eher kurzfristige Reflexe belohnt. Gerade diese Bandbreite, von zehnminütigen Würfel-Hetzjagden bis zu vierstündigen Wahlkämpfen, macht Strategiespiele zu einem der vielseitigsten Genres im Brettspielregal. Auffällig ist dabei, wie oft deutsche Verlage und Designer den Ton angeben, von Queen Games über Spielworxx bis zu Karl-Heinz Schmiels Die Macher.

Quellen

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