Was sind Print-and-Play-Spiele? Definition und Beispiele

Illustration zu Print-and-Play-Spielen: Heimdrucker mit bedrucktem Schnittmuster, Schere schneidet entlang gestrichelter Linie, Stapel ausgeschnittener Karten, heller Hintergrund

Ein Print-and-Play-Spiel, kurz PnP, wird nicht im Laden gekauft, sondern als digitale Datei bereitgestellt, aus der sich die Spielenden Karten, Spielpläne und Anleitung selbst ausdrucken und zurechtschneiden. Anders als bei einem regulär vertriebenen Spiel entfallen Produktion und Versand physischer Exemplare vollständig. Oft wird die Datei kostenlos oder gegen einen kleinen Betrag angeboten. Verbreitet werden solche Dateien meist über die Website des Entwicklungsteams, über BGGs eigene Datei-Bibliothek oder als Vorschau im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne.

Merkmale von Print-and-Play-Spielen

Kosteneffizienz und sofortiger Zugang sind die zentralen Vorteile: Weil keine physischen Exemplare produziert und verschickt werden müssen, entfallen für Entwickelnde hohe Fixkosten, was viele PnP-Titel kostenlos oder für wenige Euro anbieten lässt. Nach dem Download kann sofort gedruckt und gespielt werden, ohne Wartezeit durch Versand. Für unabhängige Entwickelnde dient das Format zudem häufig als Testlauf, um ein Spiel vor einer klassischen Veröffentlichung oder Kickstarter-Kampagne an einer breiteren Gruppe zu erproben.

Für die Herstellung genügen meist ein Drucker, dickeres Papier oder Karton sowie eine Schere. Wer die Komponenten haltbarer machen möchte, laminiert sie zusätzlich. Weil die Spielenden Material und Sorgfalt selbst bestimmen, variiert die Qualität der fertigen Komponenten stärker als bei einem regulär produzierten Spiel.

Bekannte Print-and-Play-Spiele

Cards Against Humanity ist das bekannteste Beispiel des Genres: Das Kartenspiel von Josh Dillon, Daniel Dranove und sechs weiteren Designern steht laut eigener Verlagsangabe unter einer Creative-Commons-Lizenz (Namensnennung, nicht kommerziell, Weitergabe unter gleichen Bedingungen) und wird seit der Veröffentlichung 2009 parallel zur gekauften Box als kostenlose PnP-Datei angeboten. BGG führt es explizit unter der Kategorie Print & Play. Vier bis 30 Personen ab 17 Jahren spielen es je Runde etwa 30 Minuten, mit einer Komplexität von 1,2 von 5. Inhaltlich richtet sich das bewusst derbe, für Erwachsene gedachte Partyspiel klar an ein reifes Publikum, nicht nur laut Zahl auf der Altersfreigabe.

Sprawlopolis vom US-Studio Button Shy Games baut in kompakter Kartenform eine ganze Stadt auf: Eine bis vier Personen ab 8 Jahren legen darin in 15 bis 20 Minuten 18 Karten zu einem wachsenden Stadtplan zusammen. BGG führt auch dieses Spiel unter der Kategorie Print & Play. Die Komplexität liegt bei 1,8 von 5. Von den drei Beispielen eignet es sich dadurch am ehesten für eine größere Familienrunde, während Circle the Wagons als reines Zweipersonenspiel nur für Paare oder Eltern-Kind-Duos infrage kommt.

Circle the Wagons, ebenfalls von Button Shy Games, ist ein reines Zweipersonenspiel: Zwei Personen ab 8 Jahren bauen darin in rund 15 Minuten mit nur 18 Karten je eine eigene Stadt im Wilden Westen auf. Auch hier bestätigt BGG die Kategorie Print & Play. Die Komplexität liegt bei 1,6 von 5. Beide Titel erscheinen hierzulande zusätzlich gedruckt beim deutschen Verlag Frosted Games, ein seltener Deutschlandbezug für dieses überwiegend US-geprägte Format.

Von der Gesellschaftskritik im Kartenspielformat bis zur Westernstadt aus 18 Karten in der Brieftasche: Print and Play zeigt, wie unterschiedlich sich dasselbe Vertriebsprinzip nutzen lässt, unabhängig vom Genre oder der Spielerzahl dahinter. Gemeinsam bleibt den Beispielen, dass die eigentliche Distribution über eine Datei statt über den Handel läuft, während Regeln und Material genauso ernst genommen werden wie bei einem klassisch verlegten Spiel.

Quellen

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