Was sind kooperative Spiele? Definition und Beispiele
Kooperative Spiele sind Brett- und Kartenspiele, bei denen alle Mitspielenden gemeinsam gegen das Spiel selbst antreten statt gegeneinander. Die Gruppe gewinnt oder verliert als Ganzes, meist gegen einen vom Spiel gesteuerten Gegner oder eine sich verschärfende Bedrohung.
Was kooperative Spiele auszeichnet
Charakteristisch ist das gemeinsame Ziel: Alle Mitspielenden ziehen an einem Strang, um gemeinsam zu gewinnen oder zu verlieren. Das setzt eine enge Kommunikation voraus, denn nur wer Informationen und Pläne offen teilt, kann die Herausforderungen des Spiels meistern.
Weil die Gruppe gegen das Spiel selbst antritt statt gegen andere Menschen, bleibt die Spannung bis zum Schluss unvorhersehbar: Ein vom Spiel gesteuerter Mechanismus wie die Krankheitsausbreitung in Pandemic oder ein Ereigniskarten-Stapel entscheidet mit, nicht nur das eigene Können. Diese Offenheit sorgt für hohen Wiederspielwert, weil sich Schwierigkeitsgrad und Ereignisse von Partie zu Partie unterscheiden.
Ein bekannter Schwachpunkt ist das sogenannte Alpha-Spieler-Problem: Eine erfahrene oder besonders wortgewandte Person kann die Zusammenarbeit dominieren und den anderen am Tisch die eigenen Entscheidungen praktisch vorschreiben. Manche Spiele wie Hanabi begegnen dem konstruktionsbedingt, weil verdeckte Informationen echte Absprachen erzwingen, andere überlassen es der Spielrunde, offene Kommunikation freiwillig zu begrenzen.
Bekannte kooperative Spiele
Pandemic von Matt Leacock gilt als das Spiel, das kooperative Mechanismen 2008 einem breiten Publikum bekannt gemacht hat. Leacock hat später auch das kooperative Spiel Der Herr der Ringe: Das Schicksal der Gemeinschaft entworfen. Zwei bis vier Personen übernehmen in 45 Minuten Rollen eines Seuchenbekämpfungsteams und müssen gemeinsam vier Krankheiten eindämmen, bevor sich die Lage außer Kontrolle entwickelt. In Deutschland erscheint es unter anderem bei Pegasus Spiele.
Die Legenden von Andor stammt dagegen direkt aus Deutschland: Designer und Illustrator Michael Menzel entwickelte das Fantasy-Abenteuer für den deutschen Verlag KOSMOS. Statt einer einzelnen Partie wird eine fortlaufende Legenden-Geschichte über fünf Szenarien hinweg erzählt, in denen zwei bis vier Spielende in jeweils 60 bis 90 Minuten gemeinsam das Königreich Andor verteidigen.
Hanabi von Antoine Bauza dreht das Prinzip nochmals um: Die zwei bis fünf Spielenden halten ihre eigenen Karten verkehrt herum und sehen nur die Karten der anderen. Nur durch knapp bemessene Hinweise zu Farbe oder Zahl gelingt es in etwa 25 Minuten, die Karten in der richtigen Reihenfolge auszuspielen. Auch Hanabi ist hierzulande erhältlich, unter anderem bei Abacusspiele.
Warum kooperative Spiele so beliebt sind
Der Reiz liegt darin, dass Erfolg und Misserfolg von der ganzen Gruppe getragen werden, nicht von Einzelnen. Ob als Team von Seuchenbekämpfern, als Heldinnen und Helden in einem Fantasy-Königreich oder als Feuerwerker mit verdeckten Karten: Kooperative Spiele verbinden Kommunikation und gemeinsames Knobeln zu einem Spielerlebnis, das nach dem Sieg wie nach der Niederlage gemeinsam nachwirkt. Gerade weil eine ganze Gruppe gemeinsam gewinnt oder verliert, eignen sich diese Spiele auch für Runden, die sonst selten miteinander spielen, etwa Familien mit großem Altersunterschied oder neue Spielrunden ohne eingespielte Konkurrenzdynamik. Weitere kooperative Neuerscheinungen sammelt Würfelreich im Kooperativ-Archiv.