Kyoto No Neko – Katzenabenteuer zwischen Kirschblüten und Chaos

In Kyoto No Neko übernehmen 2 bis 4 Spieler die Rolle neugieriger Katzen, die durch die Gassen, Dächer und Hinterhöfe von Kyoto streifen. Mal klettern sie auf Bäume, mal huschen sie über befahrene Straßen, mal schleichen sie sich an ein Schmetterlingsfreundchen heran – oder balgen sich mit einer Rivalin um das beste Stück Fisch. Dabei entstehen kleine Geschichten, die irgendwo zwischen Chaos und Niedlichkeit pendeln – ganz wie man es von Katzen eben kennt.
Entdecken, klettern, streiten – so spielt sich Kyoto No Neko
Ziel des Spiels ist es, als erste Katze fünf Medaillen zu sammeln, die für erfolgreich absolvierte Missionen vergeben werden. Jede Partie bietet dafür eine neue Kombination aus Missionskarten – etwa „Erklimme einen Kirschbaum“, „Werde Freund eines Schmetterlings“ oder „Besiege eine andere Katze“. Diese Ziele geben dem Spiel Struktur, während das eigentliche Spielgeschehen durch eine clevere Mischung aus Erkundung, Skill Checks und Begegnungen lebt.
Herzstück jeder Runde ist der Skill-Check-Mechanismus: Jede Katze besitzt vier Eigenschaften – Agilität, Freundschaft, Kampf und Jagd. Um mit Plättchen oder anderen Figuren auf dem Spielbrett zu interagieren, würfelt man und addiert den eigenen Skill-Wert. Gelingt der Wurf, darf man sich über Beute oder neue Freunde freuen. Misslingt er, endet zwar oft der eigene Zug – dafür verbessert sich der zugehörige Wert um eine Stufe. Gerade dieses „Lernen durch Fehler“ sorgt für ein angenehm motivierendes Spielerlebnis.
Das Spiel läuft in drei Phasen pro Zug ab:
- Bewegung: Die Katze zieht entsprechend ihrer Ausdauer über das Spielfeld.
- Aktion: Wird ein Plättchen erreicht, entscheidet die Art der Begegnung, ob man etwa angreift, flieht oder Freundschaft schließt.
- Missionen: Nach dem Zug wird geprüft, ob durch die Aktion ein Missionsziel erfüllt wurde – dann winkt eine Medaille.

Szenarien sorgen für Abwechslung
Wer das Grundspiel durchschaut hat, muss sich nicht vor Eintönigkeit fürchten – denn Kyoto No Neko liefert direkt eine ganze Reihe szenariobasierter Spielvarianten mit. Diese enthalten zusätzliche Figuren (wie den charmanten Shiba-Hund), neue Missionsziele und teilweise leicht veränderte Regeln.
Ein Szenario kann etwa dazu führen, dass man andere Spieler aktiv bestehlen oder bestehende Freundschaften sabotieren darf. Das verändert das Spielgefühl spürbar – von eher entspanntem Entdecken hin zu einem kompetitiveren Stil, bei dem mehr Interaktion und auch gezielte Konfrontation gefragt ist.
Auch die Möglichkeit, eigene Szenarien durch Kombination verschiedener Komponenten zu erstellen, bietet kreativen Spielgruppen langfristig neuen Reiz. Das Grundsystem bleibt dabei bestehen, wird aber durch diese Module flexibel erweitert.
Gerade Familien oder Gruppen mit wechselnden Spielerzahlen profitieren von dieser Modularität. Die Szenarien bieten klare Anleitungen und kleine Regelanpassungen, ohne das Spielgefühl zu überfrachten – ein echter Pluspunkt.

Material und Gestaltung: Liebevoll, aber nicht ganz rund
Rein optisch ist Kyoto No Neko ein Genuss. Die Spielwelt ist farbenfroh, verspielt und detailreich illustriert. Jede Katze hat ihr eigenes kleines Zuhause, das über einen modularen „Stadtplan“ mit dem zentralen Kyoto-Bereich verbunden ist. Kleine Fußabdruck-Plättchen, bunte Würfel und die charakteristischen radiergummiartigen Katzenfiguren sorgen direkt für Aufmerksamkeit am Tisch.
Doch genau hier zeigt sich auch ein Schwachpunkt: Die besagten Katzenmarker sehen zwar toll aus, haften aber unangenehm auf dem Kartonmaterial. In Kombination mit dem nicht verriegelbaren, modularen Spielbrett führt das schnell zu verrutschten Plättchen, schiefen Kanten und dem regelmäßigen Bedarf, das Spielfeld wieder zu ordnen.
Auch die Papp-Standees für Fahrräder, Menschen oder andere Tiere wirken fragil: Manche passen nicht richtig in ihre Halterungen, andere kippen beim kleinsten Stoß. Das stört vor allem deshalb, weil diese Figuren eigentlich ein schönes 3D-Gefühl ins Spiel bringen sollen.
Positiv fallen dagegen die kleinen Aufbewahrungsboxen für Spielerzubehör auf. Diese sind stabil, thematisch gestaltet und erleichtern den Spielstart erheblich. Kein nerviges Sortieren von Plättchen – jeder bekommt seine „Katzenkiste“ und los geht’s.
Für wen ist Kyoto No Neko geeignet?
Kyoto No Neko richtet sich klar an Familien, Gelegenheitsspieler und Katzenliebhaber. Die Regeln sind zugänglich, das Thema zieht insbesondere jüngere Spieler oder tieraffine Gruppen schnell in den Bann. Kinder ab etwa 8 Jahren kommen mit etwas Anleitung gut zurecht – auch weil das Spiel belohnt, selbst wenn Aktionen scheitern.
Am meisten Spaß macht das Spiel mit drei oder vier Spielern. Dann ist genug los auf dem Spielplan, um Begegnungen, kleine Konflikte und überraschende Wendungen zu ermöglichen. Zu zweit verkommt die Partie schnell zu einem reinen Optimierungsspiel – solide, aber weniger lebendig.
Für Vielspieler oder Gruppen, die auf strategische Tiefe oder mechanische Präzision Wert legen, ist Kyoto No Neko nur eingeschränkt geeignet. Zwar bieten die Szenarien Abwechslung, doch bleibt das Spiel grundsätzlich leichtgewichtig und glücksabhängig. Gerade die zufällige Platzierung der Plättchen kann zu ungleichen Chancen führen, was nicht jede Runde fair wirken lässt.
Fazit zu Kyoto No Neko
Kyoto No Neko ist ein charmantes, familienfreundliches Abenteuer-Spiel, das mit seiner thematischen Dichte, liebevollen Gestaltung und zugänglichen Mechanik überzeugt. Wer Katzen mag und gern kleine Geschichten am Spieltisch erlebt, bekommt hier ein Spiel, das nicht nur hübsch anzusehen ist, sondern auch mechanisch eigene Akzente setzt – etwa durch das motivierende Lernsystem bei Misserfolg.
Allerdings gibt es auch Schwächen: Die Materialqualität überzeugt nicht in allen Bereichen und das Grundspiel ohne Szenarien verliert schnell an Reiz. Auch das Zufallselement kann je nach Runde mehr Frust als Spannung erzeugen. Wer jedoch bereit ist, sich auf das Setting einzulassen und die Szenarien aktiv zu nutzen, wird mit einem verspielten und vielseitigen Erlebnis belohnt.
Ideal für:
- Familien mit Kindern ab 8 Jahren
- Katzenliebhaber mit Hang zu niedlicher Interaktion
- Gelegenheitsspieler mit Sinn für thematische Leichtigkeit
Weniger geeignet für:
- Strategen, die Planbarkeit und Gleichgewicht suchen
Spielergruppen, die auf hochwertige Komponenten großen Wert legen

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