Electrify Brettspiel: AEG startet Kickstarter-Kampagne
Alderac Entertainment Group hat das Electrify Brettspiel vorgestellt, einen Engine Builder von John D. Clair und Ian Hutchison für eine bis vier Personen. Die Spielenden legen Karten an fünf drehbare Energiesektoren, lassen deren Aktionen als Ketten ablaufen und erfüllen damit in zwölf Runden möglichst wertvolle Nachfragekarten.
Electrify Brettspiel auf einen Blick
| Merkmal | Angabe |
| Verlag | Alderac Entertainment Group (AEG) |
| Autoren | John D. Clair und Ian Hutchison |
| Illustration | Javier Inkgolem |
| Personenzahl | 1 bis 4 |
| Spielzeit | 45 bis 75 Minuten |
| Alter | ab 10 Jahren |
| Mechanik | Engine Building mit Karten, rotierenden Sektoren und Aktionsketten |
| Kampagne | Kickstarter, live seit 22.09.2026, bei Redaktionsschluss 118,9 % von 10.000 $ |
| Deutsche Ausgabe | weiterhin nicht angekündigt (Stand 22.09.2026) |
Die Angaben zu Personenzahl, Spielzeit und Alter sowie die mechanische Einordnung beruhen auf der AEG-Produktseite und dem dort verlinkten Prototyp-Regelheft. Da es sich noch um eine Vorabfassung handelt, können sich Details bis zur Veröffentlichung ändern.
John D. Clair und Ian Hutchison werden von AEG als Autoren genannt. Der Verlag ordnet Clair außerdem als Autor von Space Base und Dead Reckoning ein. Für Kenner dürfte aber Mystic Vale die naheliegendere Einordnung sein: Dort entwickelte Clair mit dem „Card Crafting System“ physisch veränderliche Karten, ein konzeptioneller Vorläufer zu den sich wandelnden Sektoren in Electrify. Das liefert Kontext zu seiner bisherigen Arbeit mit AEG, ist aber kein Qualitätsurteil über Electrify.
Wie funktioniert Electrify?
Electrify ist ein Engine Builder: Die Spielenden bauen sich aus Karten einen Motor auf, dessen Aktionen mit jeder passenden Kombination mehr Ertrag bringen können. Anders als bei einem fest wachsenden Tableau verändern hier fünf Sektoren fortlaufend die Lage und Stärke der ausgespielten Karten. Klassisches Engine Building baut in der Regel einmal aufwärts und bleibt danach stabil, Electrify sortiert seinen Motor dagegen nach jeder Aktivierung neu.
Jede Partie läuft laut AEG über zwölf Runden. Aktivieren die Spielenden einen Sektor, führen sie dessen Aktionen aus. Danach verändert sich die Anordnung des Motors, sodass Karten bei einer späteren Aktivierung eine andere Stärke oder Position haben können.
Der entscheidende Kniff ist das Warten. Ein Sektor gewinnt an Wirkung, wenn er nicht sofort wieder genutzt wird. Karten mit Pfeilsymbolen lassen Aktivierungen zudem über mehrere Sektoren hinweg weiterlaufen. So entstehen Aktionsketten, die Energie erzeugen, verbessern und ins Netz übertragen.
Ins Netz eingespeiste Energiewürfel erfüllen Nachfragekarten. Anspruchsvollere Ziele verlangen mehr oder sauberere Energie und bringen entsprechend mehr Punkte. Nach zwölf Runden gewinnt, wer den Energiebedarf am wertvollsten erfüllt hat. Nicht nur die Kartenwahl zählt, sondern auch der richtige Zeitpunkt für die Aktivierung eines Sektors.
Die derzeit sichtbare Interaktion besteht vor allem im Rennen um offen ausliegende Nachfragekarten. Wer eine Karte erfüllt, nimmt sie an sich und legt eine neue aus. Eine weitergehende Markt-, Handels- oder Konfliktinteraktion lässt sich aus dem aktuell zugänglichen Material nicht belastbar ableiten.
Variable Technikpakete statt fester Kartenmischung
Vor der Partie werden sogenannte Technikpakete ausgewählt und in das Spiel aufgenommen. Sie ergänzen neue Technologien und taktische Möglichkeiten. Wie viele Pakete die Grundausstattung enthält und nach welchen Regeln sie kombiniert werden, erläutert die aktuelle Produktseite noch nicht vollständig.
Damit ist Varianz durch wechselnde Technikpakete belegt. Ihr genauer Umfang und ihre Wirkung auf unterschiedliche Partien sind aber noch offen. Eine belastbare Aussage zum Wiederspielwert wäre deshalb verfrüht. Auch asymmetrische Rollen oder unterschiedliche Startfähigkeiten nennt AEG bislang nicht.
Wie funktioniert der Solo-Modus?
Electrify ist für eine bis vier Personen angegeben. AEG kündigt mehrere Solo-Szenarien mit unterschiedlichen Herausforderungen an. Wie der Solo-Gegner gesteuert wird, welche Ziele gelten und ob zusätzliche Karten oder ein Automa-System zum Einsatz kommen, wird auf der Produktseite noch nicht erklärt. Belastbar ist deshalb nur: Der Solo-Modus soll aus mehreren Szenarien bestehen.
Auch zur Skalierung im Wettbewerb schweigen die bisher zugänglichen Angaben. Ob sich Electrify zu zweit, zu dritt und zu viert unterschiedlich eng spielt oder Aufbau und Nachfragekarten an die Personenzahl angepasst werden, lässt sich daher noch nicht beurteilen.
Für wen ist Electrify gedacht?
AEG gibt ein Alter ab zehn Jahren und eine Spieldauer von 45 bis 75 Minuten an. Das bekannte Regelgerüst wirkt dennoch eher wie ein Kennerspiel als wie lockeres Familienprogramm: Fünf veränderliche Sektoren, der Aufbau von Aktionsketten und das Abwägen zwischen sofortiger Nutzung und stärkerer späterer Aktivierung verlangen vorausschauende Entscheidungen.
Diese Einordnung bleibt vorläufig. Ohne fertige Regeln und eigene Partie lässt sich nicht endgültig beurteilen, wie hoch die Einstiegshürde tatsächlich ist. Dies ist eine Vorstellung auf Basis der Verlagsangaben, kein Test.
Kickstarter gestartet: Preise, Pledges und DACH-Stand
Die Kickstarter-Kampagne zu Electrify ist am 22. September 2026 gestartet und bei Redaktionsschluss bereits überfinanziert. Bei einem Ziel von 10.000 US-Dollar standen 11.890 US-Dollar von 179 Unterstützenden zu Buche, das entspricht 118,9 Prozent des Ziels. Die Laufzeit endet am 17. Oktober 2026.
Drei Pledge-Stufen stehen zur Wahl. „Investor“ für 5 US-Dollar sichert nur den späteren Zugang zum Pledge-Manager ohne Spiel. „Innovator“ für 39 US-Dollar enthält ein Exemplar plus alle bis Kampagnenende freigeschalteten Stretch-Goals, laut Kickstarter-Seite ein Wert von 49 US-Dollar bei Einzelkauf. „Visionary“ für 69 US-Dollar bündelt Grundspiel, Stretch-Goals und sämtliche Add-ons und wird dort mit einem Wert von 109 US-Dollar beziffert.
Welche Stretch-Goals konkret freigeschaltet sind und ob es sich um neue Karten und Mechaniken oder eher kosmetische Extras handelt, führt die Kampagnenseite bislang nicht aus. Einzeln nachbuchbar sind unter anderem die Technikpakete „Supercharged“ und „Diversified“ mit zusätzlichen Karten, eine Fünf-Spieler-Erweiterung, eine Fusion-Mikroerweiterung sowie ein Upgrade Pack. Kickstarter nennt September 2027 als Liefertermin.
Zur eigenen Kickstarter-Bilanz von AEG lässt sich nur bedingt etwas sagen: Der Verlag hat im Mai 2026 mit Let's Go! To France eine weitere eigene Kampagne über 1.000 Prozent finanziert, deren Auslieferung aber erst für März 2027 angekündigt ist. Eine geprüfte Aussage darüber, ob frühere AEG-Kickstarter-Projekte pünktlich geliefert haben, lässt sich daraus nicht ableiten, und auch die Electrify-Kampagnenseite selbst äußert sich dazu nicht.
Zur Verfügbarkeit in Deutschland bleibt die Kampagnenseite auch jetzt zurückhaltend: Eine deutsche Sprachversion, ein deutscher Verlag oder ein europäischer Vertriebspartner werden nicht genannt. Die Versandangabe bei den bespielbaren Pledge-Stufen lautet lediglich „nur bestimmte Länder“, ohne diese Länder aufzulisten. Wer eine deutsche Fassung sucht, hat damit weiterhin keine belastbare Grundlage für eine Kaufentscheidung.
Ob Electrify nach der Kampagne auch regulär im Handel erscheint, sagt die Kickstarter-Seite nicht. AEG vertreibt sein Kernprogramm wie Space Base klassischerweise auch über den Fachhandel, eine Ankündigung für eine reguläre Handelsausgabe von Electrify liegt aber bislang nicht vor. Auch zur Sprachneutralität der Karten, also ob Symbole oder überwiegend englischer Text den Ausschlag geben, äußert sich das bisher zugängliche Material nicht.
Ein interessanter Motor, aber noch viele offene Schalter
Electrify setzt seinen eigenen Akzent beim Engine Building: Die fünf Sektoren werden nicht bloß ausgebaut, sondern durch ihre Aktivierung fortlaufend verändert. Das macht den Zeitpunkt eines Zuges ebenso wichtig wie die Karten im eigenen Motor. Die Grundidee spricht eher für ein Kennerspiel, doch Komplexität, Skalierung und Wiederspielwert bleiben ohne fertige Regeln und eigene Partie offen. Die Kickstarter-Kampagne läuft bereits deutlich über Ziel, für deutsche Spielende ist aber weiterhin unklar, ob und wann eine deutsche Ausgabe kommt.