CMON: Zwischen Krisenbewältigung und neuen Chancen

CMON: Zwischen Krisenbewältigung und neuen Chancen

Der US-amerikanische Verlag CMON steht nach einem verlustreichen Geschäftsjahr unter erheblichem Druck. Mit über 14 Millionen US-Dollar an offenen Verpflichtungen aus Kickstarter-Kampagnen und einem operativen Verlust von rund 4,2 Millionen US-Dollar sucht das Unternehmen nach Wegen, seine Liquidität zu stabilisieren und das Vertrauen der Community zurückzugewinnen.

Kickstarter-Rückstau, Lizenzstrategien und der Blick nach vorn

CMON hat in den vergangenen Jahren stark auf Crowdfunding gesetzt. Doch von den 51 erfolgreich abgeschlossenen Kampagnen sind nach aktuellen Angaben 11 noch nicht vollständig ausgeliefert. Die daraus resultierenden finanziellen Verpflichtungen belaufen sich auf etwa 14,4 Millionen US-Dollar . Allein „Sword & Sorcery: Apocalypse“ und „Mordred“ machen dabei fast ein Drittel dieser Summe aus. Zwar betont CMON, dass die Produktionskosten für diese Spiele bereits gedeckt seien, doch der Versand an die Unterstützenden steht noch aus.

Der Jahresabschluss zum 31. Dezember 2023 weist einen Gesamtumsatz von 21,5 Millionen US-Dollar aus – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr mit 34,5 Millionen US-Dollar. Verantwortlich dafür sei unter anderem eine geringere Anzahl neuer Kickstarter-Kampagnen sowie die verzögerte Auslieferung mehrerer Spiele. Die Bruttomarge sank von 46 auf 39 Prozent. CMON führt dies auf gestiegene Herstellungskosten und gesunkene Produktionsmengen zurück .

Als Reaktion auf die angespannte finanzielle Lage hat das Unternehmen nach eigenen Angaben damit begonnen, vermehrt bestehende Lizenzrechte zu verkaufen. Das Ziel: kurzfristige Liquidität schaffen und gleichzeitig Spielraum für strategische Anpassungen gewinnen. Parallel dazu strebt CMON neue Lizenzvereinbarungen an, insbesondere im Bereich großer Unterhaltungsmarken. Ein Beispiel ist die kommende Zusammenarbeit mit Warner Bros. Discovery zur Entwicklung eines Brettspiels zur Serie „House of the Dragon“ .

Um das operative Geschäft wieder zu stabilisieren, will CMON außerdem die Taktung neuer Kampagnen erhöhen. Statt wie bisher fünf Kickstarter-Projekte pro Jahr sollen künftig acht Kampagnen jährlich gestartet werden. Eine weitere Maßnahme ist die Verlagerung von Produktion und Versand einzelner Titel in kostengünstigere Regionen. Erste Schritte in diese Richtung wurden bereits für das Spiel „Mordred“ unternommen, dessen Fulfillment an Partner in Osteuropa übertragen wurde .

Trotz aller Herausforderungen gibt sich CMON zuversichtlich. Man sei entschlossen, ausstehende Projekte zu liefern und die Kommunikation mit der Community transparent zu gestalten. Ob das reicht, um das Vertrauen zurückzugewinnen, bleibt abzuwarten. Klar ist: Für CMON steht derzeit mehr auf dem Spiel als nur ein erfolgreiches Crowdfunding.

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