BoardGameGeek entlässt Anzeigen-Manager nach Werbe-Eklat

Symbolbild: Nahaufnahme eines aufgebauten Brettspiels mit Spielplänen, Karten und farbigen Spielfiguren.
Symbolbild: die abgebildeten Spielmaterialien stehen nicht in Zusammenhang mit „Possess Me, Satan". (Foto: Unsplash)

BoardGameGeek hat sich von seinem Anzeigen-Manager getrennt. Die Plattform ist die weltweit größte Datenbank und Community-Drehscheibe der Brettspielwelt, und damit auch eine wichtige Werbefläche für Verlage. Auslöser der Trennung ist eine abgelehnte Werbekampagne: Der Werbeleiter wies eine Anzeige für das Brettspiel „Possess Me, Satan" zurück und begründete die Ablehnung in einer Geschäfts-E-Mail mit persönlichen Glaubensüberzeugungen. Nachdem der Verlag den Schriftverkehr öffentlich gemacht hatte und eine breite Debatte folgte, zog BGG-Inhaber Scott Alden die Konsequenz und entließ den Mitarbeiter.

Was im Schriftverkehr stand

Begonnen hatte der Fall als Routinevorgang. Der Kleinverlag Falling Whale Games (nach eigener Beschreibung „zwei Brüder, die Partyspiele lieben") buchte für sein Spiel „Possess Me, Satan" eine Bannerwerbung auf BoardGameGeek. Statt der sonst üblichen Freigabe binnen eines Tages kam eine Absage.

Entscheidend ist, womit der Werbeleiter die Absage begründete: nicht mit einer Werberichtlinie, sondern mit persönlicher Überzeugung. Er könne die Anzeige „mit gutem Gewissen" nicht freigeben, schrieb er; der Gedanke, „diese Thematik zu zeigen", drehe ihm den Magen um. Im englischen Original: „I just can't in good conscience approve this one; … the thought of displaying this subject matter makes me sick to my stomach." Dazu verwies er auf persönliche Erfahrungen, die er als Begegnungen mit „dämonischer Besessenheit" beschrieb. Diese Schilderungen stammen aus der E-Mail des Werbeleiters und sind keine belegten Tatsachen. In derselben Nachricht legte er dem Verlag nahe, das Projekt ganz einzustellen.

Der Verlag hakte nach: Gegen welche konkrete Werberegel verstoße das Spiel, und handle es sich um eine Entscheidung der Plattform oder ein persönliches Urteil? Falling Whale Games verwies dabei darauf, dass mit „All True Believers" zeitgleich ein anderes, ebenfalls okkult angehauchtes Spiel auf BGG beworben werden durfte. Diesen Widerspruch räumte der Werbeleiter den Schilderungen zufolge ein, hielt die Ablehnung aber aufrecht: Es gehe ihm nicht um Religion, sondern darum, die Plattform für alle zugänglich zu halten.

Die Eskalation

Öffentlich wurde der Vorgang, weil der Verlag ihn öffentlich machte. Falling Whale Games stellte den E-Mail-Verkehr ins Brettspiel-Subreddit r/boardgames; gegenüber dem Branchenportal Gametrodon bestätigte der Verlag später, den Schriftwechsel bewusst geteilt und den vollständigen Verlauf bereitgestellt zu haben.

In der Community kippte die Stimmung schnell. Viele Spielerinnen und Spieler kritisierten Begründung und Tonfall der Absage als unprofessionell, einzelne kündigten an, BGG zu boykottieren; auch andere Spieleautoren forderten eine Klarstellung. Kritisch zu sehen ist ein zweiter Strang der Reaktion: Teile der Community durchforsteten Profile und Netzauftritte, um die Person hinter der E-Mail zu identifizieren. Solche „Outings" treffen eine Privatperson im Angestelltenverhältnis, und sie tragen zur sachlichen Aufarbeitung des Vorgangs nichts bei.

Die Reaktion von BoardGameGeek

BGG reagierte schnell: Nur wenige Stunden nach dem öffentlichen Aufschrei meldete sich Scott Alden, Gründer und Inhaber von BoardGameGeek, mit einer offiziellen Stellungnahme zu Wort. Sinngemäß: Weil der Anzeigen-Manager in einer geschäftlichen E-Mail gegenüber einem Spieleautor unangemessen reagiert habe, habe er entschieden, sich von ihm zu trennen; diese Antwort spiegele weder das Unternehmen noch dessen Geschäftsgebaren wider. Im Original: „Due to a situation in which BGG's Advertising Manager responded inappropriately in a business email to a designer, I have decided to let him go."

Bemerkenswert: Eine konkret verletzte Werberichtlinie nennt auch BGG in der Stellungnahme nicht. Die offizielle Begründung bezieht sich allein auf das unangemessene Auftreten des Mitarbeiters, nicht auf den Inhalt des Spiels. Offen lässt die Stellungnahme zudem, ob BGG seinen Prüfprozess für Anzeigen oder seine Werberichtlinien anpasst; sie behandelt das Verhalten des Mitarbeiters, nicht das Verfahren dahinter.

Das Spiel im Hintergrund

Im Zentrum steht der Branchenfall, nicht das Spiel: die Eckdaten daher nur kurz. „Possess Me, Satan" ist ein Social-Deduction-Spiel, also ein soziales Deduktionsspiel mit verdeckten Rollen, bei dem die Gruppe einen heimlich Besessenen enttarnen muss. Falling Whale Games tritt als Zwei-Personen-Studio auf; einen gesonderten Lead-Designer weist weder die BGG-Seite noch der Verlag aus. Ausgelegt ist der Titel auf fünf bis 16 Personen ab 16 Jahren. Einen Solomodus gibt es schon wegen der Mindestbesetzung von fünf Spielenden nicht. Zur Spieldauer kursieren zwei Angaben: Die laufende Kampagne nennt rund 30 Minuten, die BGG-Datenbank eine Spanne von 20 bis 60 Minuten.

Die Crowdfunding-Kampagne läuft seit dem 19. Mai 2026 auf Gamefound. Ihr Finanzierungsziel von 10.000 US-Dollar erreichte sie nach Verlagsangaben bereits am ersten Tag; die öffentliche Debatte um die Ablehnung dürfte dem Titel zusätzliche Aufmerksamkeit verschafft haben.

Einordnung

Ein privater Plattformbetreiber darf grundsätzlich selbst entscheiden, welche Werbung er annimmt. Daran ändert der Fall nichts. Die Kritik entzündete sich nicht am Recht zur Ablehnung, sondern an deren Begründung und Tonfall: Ein geschäftlicher Vorgang wurde mit privaten Glaubensüberzeugungen beantwortet, und der Widerspruch zu einer parallel laufenden Anzeige für ein thematisch ähnliches Spiel blieb offen. Heikel ist der Fall auch, weil im Schriftverkehr Aussagen über Besessenheit und seelische Belastung fielen. Das sind Schilderungen des Werbeleiters aus seiner E-Mail, keine gesicherten Tatsachen und kein Anlass, psychische Erkrankungen zu stigmatisieren.

Was der Fall nicht klärt: ob BGG für heikle Werbeinhalte überhaupt klare, einheitliche Regeln hat. Die Plattform nannte weder gegenüber dem Verlag noch in ihrer Stellungnahme eine konkrete Richtlinie, und das parallel geduldete „All True Believers" deutet eher auf Einzelfallentscheidungen als auf einen festen Maßstab hin.

Für die Branche zählt der Fall, weil BoardGameGeek auch für Spielende in Deutschland, Österreich und der Schweiz die zentrale Anlaufstelle der Szene ist. Die Lehre ist schlicht: Wer Anzeigen prüft, prüft sie nach nachvollziehbaren Regeln, nicht nach Bauchgefühl. Mit der schnellen Trennung hat BGG das anerkannt. Den Beweis, dass daraus ein verlässlicher Prozess wird, bleibt die Plattform vorerst schuldig.